In den Büros der großen internationalen Konzerne, die die Betonindustrie der Inseln kontrollieren, ist Schweigen derzeit die aussagekräftigste Antwort. Die Masaveu Corporation und der brasilianische Gigant Votorantim, Hauptaktionäre der kanarischen Zementindustrie, haben sich entschieden, das in Wirtschaftskreisen längst offene Geheimnis nicht zu dementieren: die Vereinbarung zum Bau eines Hotels auf dem Gelände des derzeitigen Werks im Süden Gran Canarias – ein Werk, das von der Falange während der Franco-Ära errichtet wurde. Diese Industrie profitiert vom AIEM-Zollschutz. Die Regierung der Kanarischen Inseln hat die Befugnis, den AIEM-Zollschutz für Zement aufzuheben.
Dieses strategische Schweigen bestätigt nur den Wandel der Zeit. Santa Águeda, der Industriehafen, der 70 Jahre lang das Zentrum des Bauwesens im Archipel bildete, wird in Richtung einer auf Tourismus ausgerichteten Transformation gedrängt. Doch während die Zukunft mit Plänen für Hotelkomplexe gestaltet wird, hat sich die Gegenwart in den Gerichten verfestigt.
Nur wenige Stunden nachdem die Nachricht über den Hoteldeal an Fahrt gewonnen hatte, startete Cementos Especiales de las Islas (CEISA) – ein Joint Venture zwischen Masaveu und dem brasilianischen Konzern Votorantim – einen verzweifelten juristischen Gegenangriff. Das Unternehmen reichte beim Verwaltungsgericht Nr. 4 von Las Palmas eine Klage ein, mit der es die von der Hafenbehörde der Kanarischen Inseln (Puers Canarios) angeordnete sofortige Aussetzung des Abrisses des Hafens von Santa Águeda erwirken wollte.
Die Widersprüche in diesem Szenario sind so dicht wie die Holzverkleidung selbst. Das für CEISA fragliche „unteilbare Ganze“ basiert auf einem früheren Urteil (Juli 2024), das Steinbruch, Fabrik und Hafen als „unteilbares Ganzes“ definierte. Für das Zementunternehmen bedeutet die Forderung nach dem Abriss des Hafens bei gleichzeitigem Fortbestand der Fabrik eine logistische Amputation, die die Zementversorgung der Inseln lahmlegen würde.
Die Gefahr wirtschaftlicher Verschwendung droht. Das Unternehmen bezeichnet den Abrissbescheid als „rücksichtslos“. Sollten die Gerichte letztendlich zu ihren Gunsten entscheiden, würden die Kosten für den Wiederaufbau des abgerissenen Gebäudes 38 Millionen Euro übersteigen. Eine Verschwendung, die, so warnen sie, die öffentlichen Kassen belasten würde.
Der Hafenplan der Kanarischen Inseln
Der Hafen soll abgerissen werden, um das Gelände für Freizeit- und Tourismuszwecke zu öffnen. Das asturische Unternehmen argumentiert: Bei einer Hafenschließung müssten täglich 100 schwere Lkw über die südlichen Straßen Rohstoffe transportieren, was den CO₂-Ausstoß um 3.000 Tonnen pro Jahr erhöhen würde. Der Hafen von Santa Águeda schlägt jährlich fast eine halbe Million Tonnen Güter um. Er ist das Logistikzentrum, das die Bauindustrie auf allen sieben Inseln versorgt. Der Vormarsch des Tourismus scheint jedoch unaufhaltsam, und das Schweigen der Eigentümer (Masaveu und Votorantim) angesichts der Abrissverfügung lässt vermuten, dass die Zukunft des südlichen Gran Canaria nicht mehr in Beton, sondern in Sonnenliegen und Hotels geschrieben steht.
Nun liegt der Ball beim Richter. Seine Entscheidung über diese Vorsichtsmaßnahmen wird darüber entscheiden, ob Santa Águeda das industrielle Herz des 20. Jahrhunderts bleibt oder sich endgültig in ein Touristenparadies des 21. Jahrhunderts verwandelt. Auf den Kanarischen Inseln wird Geschichte nicht nur auf Papier geschrieben, sondern auch in Stein gemeißelt und von den Gezeiten weggespült. Der Konflikt um Santa Águeda spiegelt eine Insel wider, die sich fragt, was sie sein will, wenn der Lärm der Fabriken endlich verstummt.











