Dienstag, 16. Juni 2026
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Das Klima im Süden von Gran Canaria, der größte Trumpf der Insel, lockte den nordischen Tourismus an.

Das Klima im Süden von Gran Canaria, der größte Trumpf der Insel, lockte den nordischen Tourismus an.

Yurena Vega - M24h Donnerstag, 20. November 2025

Das Phänomen des skandinavischen Gesundheitstourismus auf den Kanarischen Inseln, das sich seit Mitte des 20. Jahrhunderts etabliert hat, geht weit über die bloße klimabedingte Migration von Rentnern hinaus. Es stellt eine strategische Investition nordischer Wohlfahrtsorganisationen zur Senkung ihrer Gesundheits- und Personalkosten dar. Einrichtungen wie Svenska Re in San Agustín (Gran Canaria), Vintersol (Teneriffa) und Casas Heddy (Lanzarote) sind keine Einzelfälle, sondern Ausdruck einer Geschäftslogik, die auf Rehabilitation und Produktivitätssteigerung ausgerichtet ist.

Der Fall von Svenska Re auf Gran Canaria, gegründet 1972, ist besonders aufschlussreich. Die Einrichtung verfolgt das Ziel der „berufsbezogenen Rehabilitation“, um die Gesundheit zu verbessern und die Arbeitsfähigkeit wiederherzustellen. Es handelt sich nicht um eine Palliativklinik, sondern um ein hochmodernes Zentrum für die Prävention von Arbeitsunfällen. Die Gründung erfolgte auf Initiative des Schwedischen Arbeitgeberverbands (SAF) mit dem Ziel, Führungskräfte (die sogenannte „Managerkrankheit“) zu unterstützen, die unter Stress litten – ein Problem, das die WHO bereits als eine schwerwiegendere Ursache arbeitsbedingter Sterblichkeit als Krebs identifiziert hatte. Das Klima der Kanarischen Inseln erwies sich wissenschaftlich als optimaler Standort für diese Rehabilitation, wodurch Sonne und Strand zu einem wertvollen Gut für das schwedische Humankapital wurden.

Die Investitionen in diese Zentren sind ein Paradebeispiel dafür, wie Kapital und soziale Bedürfnisse politische Hürden überwinden konnten. Obwohl schwedisches Recht die Inanspruchnahme von Gesundheitsleistungen im Ausland erlaubte, erfolgten die Investitionen in San Agustín in den 1970er Jahren – einer Zeit, die von Olof Palmes sozialistischer Regierung in Schweden und Francos Diktatur in Spanien geprägt war. Die Zurückhaltung schwedischer Gewerkschaften, in einem Land mit Todesstrafe und Folter zu investieren, war bemerkenswert. Wissenschaftliche Erkenntnisse über die klimatischen Bedingungen Gran Canarias, die Vision von Förderern wie Nils-Henrik Öberg (Svenska Re) und der Bedarf an Pflege (beispielsweise für Sven Jungholms an Rheuma erkrankten Sohn) setzten sich jedoch durch – angetrieben von den Prinzipien langfristiger Gesundheit und Wirtschaftlichkeit.

Gran Canarias Engagement für die nordische Bevölkerung hat zu einer jährlichen Klimamigration und zur Bildung bedeutender Gemeinschaften mit eigener Infrastruktur (Kirchen, Schulen) geführt. Die abschließende Betrachtung ist jedoch beunruhigend: Obwohl skandinavische Studien das außergewöhnlich gesunde Klima im Süden Gran Canarias bestätigen, hat die Insel es versäumt, dieses Potenzial als vorrangiges Alleinstellungsmerkmal zu nutzen. Die Frage, die sich nach der Analyse dieser fünfzigjährigen Geschichte stellt, ist, warum Gran Canaria weiterhin so schwer damit tut, die Realität eines der gesündesten Klimata der Welt anzuerkennen, und warum das bereits erfolgreich erprobte Modell der Sanierung und des hochwertigen Tourismus nicht als maßgebliche Leitlinie für die notwendige Erneuerung des Reiseziels übernommen wurde.

 

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