Dienstag, 14. April 2026
Maspalomas24h
Spannungen in der Unternehmensführung bei Lopesan in Deutschland treten zutage: Minderheitsaktionäre stellen die Unternehmenskontrolle in Frage

Spannungen in der Unternehmensführung bei Lopesan in Deutschland treten zutage: Minderheitsaktionäre stellen die Unternehmenskontrolle in Frage

Gara Hernández - M24h Dienstag, 18

Die LS INVEST AG (LSIAG), die europäische Tochtergesellschaft des kanarischen Tourismuskonzerns Lopesan, steht wenige Tage vor einer Hauptversammlung, die die Unternehmensführung grundlegend verändern könnte, unter zunehmendem Druck ihrer Minderheitsaktionäre. In einem Schreiben an Eustasio López, Präsident der Lopesan-Gruppe und indirekter Mehrheitsaktionär der LSIAG – das Maspalomas24H vorliegt – warnt eine Gruppe deutscher Investoren vor einer „strukturellen Verschlechterung“ der rechtlichen und unternehmerischen Führung des Unternehmens und fordert einen sofortigen Wechsel in der Geschäftsführung.

In dem von elf Minderheitsaktionären unterzeichneten und vom erfahrenen Matthias Schmitt (HWPH AG) angeführten Schreiben wird dem Unternehmen vorgeworfen, „alle Aktionäre wiederholt unnötigen Rechtsstreitigkeiten ausgesetzt“ zu haben. Als Beispiele werden Verzögerungen bei der Einberufung der Hauptversammlung, Mängel bei der Übersetzung während früherer Sitzungen und Entscheidungen angeführt, die nach ihrer Behauptung grundlegenden Anforderungen des für das Unternehmen geltenden deutschen Rechts nicht genügen.

Der Konflikt fällt in eine heikle Phase für den europäischen Tourismussektor, in der regulatorischer Druck und schwankende Betriebskosten Hotelgruppen zu mehr Transparenz und interner Disziplin zwingen. Lopesan, einer der größten privaten Arbeitgeber der Kanarischen Inseln, ist in so unterschiedlichen Märkten wie Deutschland, der Dominikanischen Republik und Österreich tätig. LS INVEST dient dabei als zentrales Instrument für die Expansion und die Verwaltung strategischer Vermögenswerte.

Minderheitsaktionäre führen mehrere Vorfälle an, die ihrer Ansicht nach einen „Mangel an Fachwissen oder angemessener Beratung“ seitens des Vorstands und des Aufsichtsrats von LS INVEST belegen. Zu den genannten Beispielen zählen die Einberufung der Hauptversammlung, die rechtlich vor dem 31. August hätte stattfinden müssen, auf Dezember sowie das Fehlen der in § 254 Abs. 1 GmbHG vorgeschriebenen Mindestdividende von 4 %, was – einmal mehr – Raum für rechtliche Auseinandersetzungen lässt.

Diese Kritikpunkte werden durch eine ungewöhnliche Beschwerde innerhalb der deutsch-schweizerischen börsennotierten Unternehmen noch verstärkt: Die Unternehmensführung spreche „ausschließlich Spanisch“, was, so die Unterzeichner, zu mangelhaften Übersetzungen und einem systematischen Kommunikationsabbruch mit nicht-spanischsprachigen Aktionären führe. Laut diesen Investoren hätten Fehler und Missverständnisse aus früheren Sitzungen zu neuen Rechtsstreitigkeiten und einem Klima des Misstrauens beigetragen.

Die Meinungsverschiedenheit wird durch das vermeintliche Versagen des Managements auf einer vorangegangenen außerordentlichen Hauptversammlung verschärft: verspätete Berichterstattung, das Ausbleiben der versprochenen Sonderdividende und die Abberufung des von den Aktionären bestellten Sonderbeauftragten. „Wer Vertrauen fordert, muss auch liefern“, betonen sie.

Ein besonders heikles Thema ist die Beziehung zwischen LS INVEST und Lopesan Touristik SAU, der spanischen Tochtergesellschaft des Konzerns. Die Unterzeichner behaupten, Letztere agiere „so, als bestünde eine Kontrollvereinbarung und eine Gewinn- und Verlustübertragung“, obwohl keine formelle Vereinbarung existiere. In dem Schreiben wird direkt gefragt, warum eine Vereinbarung, die einer bereits faktisch funktionierenden Struktur rechtlichen Rahmen geben würde, nicht formalisiert wurde.

Um die gegenwärtige Pattsituation zu überwinden, schlagen die Minderheitsaktionäre vor, Jan Weber, einen auf deutsches Gesellschaftsrecht spezialisierten Anwalt, in den Aufsichtsrat zu berufen. Ihr Ziel ist es, die Unternehmensführung neu auszurichten und sicherzustellen, dass künftige Sitzungen auf Deutsch abgehalten werden, um so das Risiko von Rechtsstreitigkeiten zu minimieren. Sie betonen, dass seine Ernennung eine neue Ära des Dialogs einleiten würde, und laden López zu einem persönlichen Gespräch mit dem Kandidaten ein.

Bislang haben LSIAG und die Lopesan-Gruppe weder zu dem Schreiben noch zu Webers Vorschlag öffentlich Stellung genommen. Kanarische Anwälte, die auf deutsches Gesellschaftsrecht spezialisiert sind und für diesen Bericht konsultiert wurden, weisen jedoch darauf hin, dass der Fall ein zunehmendes Muster in der Internationalisierung spanischer Familienunternehmen widerspiegelt: komplexe Unternehmensstrukturen, die Konfrontation mit strengeren rechtlichen Rahmenbedingungen und Spannungen, die sich aus der Professionalisierung ihrer Unternehmensführung ergeben.

Das Treffen am 11. Dezember wird eine entscheidende Bewährungsprobe sein. Für Minderheitsaktionäre markiert es einen Wendepunkt; für den Mehrheitsaktionär bietet es die Chance, seine Position in einem der wettbewerbsintensivsten Tourismusmärkte Europas zu stärken. Die Ergebnisse könnten die zukünftige Zusammenarbeit zwischen Lopesan und seinen internationalen Partnern maßgeblich prägen.

 

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