Dienstag, 14. April 2026
Maspalomas24h
Tomatenbauern im Süden Gran Canarias: Plastikbast verschmutzt das Meer

Tomatenbauern im Süden Gran Canarias: Plastikbast verschmutzt das Meer

Yurena Vega - M24h Samstag, 23. August 2025

Der Süden Gran Canarias atmet mit müder Lunge. Derselbe Wind, der einst die Planen von Tomatengewächshäusern hochhob, weht nun zerrissenen Bast ins Meer. Es sind verwaiste Plastikteile, Überreste nicht mehr existierender Ernten, verwandelt in Gespenster, die Schildkröten und Fische erwürgen, als hätte sich das landwirtschaftliche Gedächtnis der Insel gegen ihren eigenen Ozean gewendet.

 

Denn hier, in Maspalomas und Arguineguín, unter der unerbittlichen Sonne, gab es eine Zeit, da roch das Land nach Grün und Tagelöhnerarbeit. Tomatenbauern aus dem Süden trugen Kisten auf ihren Schultern und beugten den Rücken, damit Hotels in ganz Europa zum Frühstück Kanarienvogelrot servieren konnten. Es war Schweiß auf Sand, von Salpeter und trockener Erde gegerbte Hände. Heute wird dieser Schweiß mit den Überstunden eines unsichtbaren Kellners oder dem endlosen Warten eines Migranten verwechselt, der gerade an der Küste angekommen ist.

 

Das Meer, einst Verbündeter der Fischerei und des Transports, zahlt nun die Rechnung. Jede Welle bringt eine verdrehte Erinnerung mit sich: blaue Fasern, weiches Plastik, Schatten von ehemaligen Kartoffelsäcken. Die Wissenschaft misst es mit Laborpräzision, doch die Menschen wussten schon immer: Was man in die Luft wirft, sät der Wind im Wasser.

 

Der Süden ist voller Widersprüche: Touristen, die Wärme kaufen, Arbeiter, die darunter leiden, alte Bauern, die sich daran erinnern, als ein Kilo Tomaten so viel kostete wie ein ganzer Tag Schweiß.

 

In den Dünen liegt der Plastikmüll nun wie ein Fossil der Gegenwart. Und die Kinder der Tomatenbauern blicken mit derselben Mischung aus Angst und Hoffnung aufs Meer, mit der ihre Eltern auf die Ernte blickten. Die Insel schwebt in einer prekären Lage zwischen der paradiesischen Postkarte und der unsichtbaren Mülldeponie, die unter ihren Wassern schwimmt.

 

Im Grunde war Gran Canaria schon immer genau das: ein Land, das gezwungen war, zwischen dem Überfluss an Sonnenschein und dem Mangel an allem anderen zu überleben. Die Tomatenbauern wussten das, und das Meer erinnert uns heute mit jeder mit Müll beladenen Welle daran.

 

Mit Ihrem registrierten Konto

Schreiben Sie Ihre E-Mail und wir senden Ihnen einen Link, um ein neues Passwort zu schreiben.