Mittwoch, 15. April 2026
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Maspalomas, Taxis, VTCs und die unsichtbare Hand von Brüssel

Maspalomas, Taxis, VTCs und die unsichtbare Hand von Brüssel

G, H, MASPALOMAS24H Dienstag, 22. Juli 2025

Es gibt einen Ort, an dem Tourismus keine Industrie ist: Er ist ein Mittel zum Überleben. Wo der Verkehr nicht reguliert, sondern ausgehandelt wird. Wo das Taxi nicht nur Transportmittel ist, sondern Wirtschaft, Tradition und Widerstandsfähigkeit. Dieser Ort heißt Maspalomas, das touristische Epizentrum im Süden Gran Canarias, und ist heute auch ein Schlachtfeld zwischen Alt und Neu, zwischen der städtischen Lizenz und dem europäischen Algorithmus.

 

Die jüngste Arbeit von Professor Alejandro Román Márquez, die in der Revista General de Derecho Administrative veröffentlicht wurde, verdeutlicht, was viele bereits vermutet hatten: dass die Regulierung des Personenverkehrs in Spanien in den letzten Jahren eher von Brüssel als von Madrid diktiert wurde und wesentlich weniger von den Kommunalverwaltungen, die an jedem Taxistand ihre Existenz riskieren.

 

Die Europäische Union hat mit ihrer Rhetorik von Binnenmarkt und fairem Wettbewerb einem traditionell lokalen Ökosystem eine technokratische Logik aufgezwungen. Taxis, eine Dienstleistung von allgemeinem Interesse und quasi-institutionelle Größe an Spaniens Touristenküste, sind von VTCs und digitalen Plattformen umgeben, die weder Geographie noch lokale Kultur oder die Zeiten von Schutzheiligenfesten kennen. Und in Orten wie Maspalomas, wo Hotel- und Flughafentransfers zum emotionalen BIP der Gemeinde gehören, ist dies kein unbedeutendes Detail.

 

Das europäische Recht besagt – und die von Román Márquez zitierte Doktrin bestätigt dies –, dass Dienste wie Uber und Cabify keine öffentlichen Verkehrsmittel, sondern private Vermittlungsdienste sind. Diese scheinbar harmlose Kategorisierung ermöglicht es ihnen, im Wettbewerb zu bestehen, ohne die gemeinwirtschaftlichen Verpflichtungen zu übernehmen, die Taxifahrern seit der Zeit auferlegt wurden, als Google noch ein Begriff war.

 

Doch was bedeutet das alles auf der Straße, auf dem Asphalt? In ländlichen Gebieten der Insel, wo keine Touristen kommen und junge Leute abreisen, klingt diese Diskussion wie eine akademische Debatte. Es gibt nicht einmal Taxis. In Las Palmas de Gran Canaria sind die Spannungen gewerkschaftlich und bürokratisch spürbar. Doch in Maspalomas, wo jeder Tourist eine Transaktion in Bewegung ist, geht es um pure wirtschaftliche Stärke. Hier spielen Taxifahrer für die Saison, nicht für ihre Doktorarbeit.

 

Das Paradoxe ist, dass Touristen trotz allem weiterhin auf Taxis angewiesen sind. Vielleicht, weil sie Sicherheit, Nähe und ein gewisses Gefühl von Ordnung vermitteln. Aber auch, weil es letztlich keinen Algorithmus gibt, der die Geste eines Fahrers ersetzen kann, der jede Ecke, jeden Schulbusfahrplan und jeden Kniff beim Betreten eines Hotels kennt, um einer Busschlange auszuweichen.

 

Das heißt aber nicht, dass der Kampf gewonnen ist. Im Gegenteil: Taxis gewinnen weiter an Boden, geschützt durch Vorreservierungen, Premium-Fahrzeuge und das Versprechen von Modernität. Und Brüssel lässt keine Pause: Seine Logik des Wettbewerbs um jeden Preis lässt nach und nach die rechtlichen Mauern verschwinden, die Taxis jahrzehntelang als unverzichtbaren öffentlichen Dienst schützten.

 

Das Fazit? Der Konflikt zwischen Taxis und VTCs ist nicht nur rechtlicher oder wirtschaftlicher Natur. Er ist, wie immer, auch politischer Natur. Er spiegelt ein Europa wider, das zwar für den Kontinent Gesetze erlässt, aber den Quadratkilometer vergisst, die Küstenstadt, die von Touristen lebt, die mit kanarischer Pünktlichkeit und einem freundlichen Gesicht zum Flughafen fahren wollen. Maspalomas wird sich weiterdrehen, wie die Räder seiner Taxis, solange jemand fragt: „Können Sie mich bitte zum Leuchtturm bringen?“ Denn manchmal ist die beste Regelung die, die zuhört, bevor sie anwendet.

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