Die Energiewende auf Gran Canaria macht im Südosten der Insel große Fortschritte. Der Energierat der Insel Gran Canaria (CIEGC), der dem Inselrat untersteht, unterzeichnete diese Woche Vereinbarungen mit den Gemeinden Santa Lucía de Tirajana und Ingenio zur Gründung lokaler Energiegemeinschaften. Dabei handelt es sich um ein Produktions- und Managementmodell, das den Zugang zu erneuerbarer Energie demokratisieren soll.
Beide Vereinbarungen sehen die Installation von Solarmodulen auf Überdachungen in wichtigen öffentlichen Bereichen vor, begleitet von Speicherbatterien und Schnellladestationen für Elektrofahrzeuge, um so ein dezentrales, zugängliches und zukunftsorientiertes Energie-Ökosystem zu fördern.
Solardächer und Nachbarschaftsgemeinschaften
In Santa Lucía de Tirajana konzentrieren sich die Arbeiten auf drei stark frequentierte Bereiche: den Sportkomplex Los Llanos, die Stadtbibliothek Vecindario und das Gesundheitszentrum Vecindario. Auf diesen Anlagen werden 1.668 Photovoltaikmodule mit einer Gesamtleistung von 975,78 Kilowattpeak (kWp) und einer Speicherkapazität von 1.900 Kilowattstunden (kWh) installiert. Drei Ladestationen für Elektrofahrzeuge mit Leistungen von 50 und 100 kW werden ebenfalls installiert, um die Elektrifizierung des Verkehrs in der Region zu unterstützen.
Die Vereinbarung mit der Stadt Ingenio folgt dem gleichen Konzept, wurde jedoch an den städtischen Kontext angepasst. In dieser Gemeinde werden 864 Solarmodule auf 2.500 m² großen Vordächern auf dem Carrizal-Friedhof, dem Gesundheitszentrum Ingenio und dem Bürgerzentrum El Burrero installiert. Diese Anlagen verfügen über eine Gesamtleistung von 505,44 kWp und eine Speicherkapazität von fast 970 kWh. Hinzu kommt eine 100-kW-Schnellladestation in der Nähe des Rathauses.
Eigenverbrauch und geteilte Energie
Die Anlagen werden in einem Umkreis von fünf Kilometern betriebsbereit sein und den Bewohnern der jeweiligen Gebiete die Möglichkeit geben, sich freiwillig lokalen Energiegemeinschaften anzuschließen. Dieser Rechtsrahmen – der in Europa zunehmend umgesetzt wird – ermöglicht es den Bürgern, gemeinsam saubere Energie zu produzieren, zu teilen und zu verbrauchen, was sich direkt auf die Stromrechnung und die Energiesouveränität auswirkt.
Das Modell basiert auf der kostenlosen Überlassung kommunaler Flächen für 25 Jahre ohne finanzielle Gegenleistung. Im Gegenzug übernimmt die CIEGC sämtliche Investitionen, die Ausführung, das Management und die Wartung der Anlagen. Die erzeugte Energie wird vorrangig für den kommunalen Eigenverbrauch genutzt, Überschüsse können lokalen Energieverbänden angeboten werden.
Darüber hinaus erhalten die lokalen Regierungen für jeden Quadratmeter installierter Paneele 15 % Nutzungsfreiheit, was das Prinzip der gemeinsamen Verwaltung zwischen den lokalen und Inselverwaltungen stärkt.
Eine neue Energiekarte für die Insel
Mit diesem Schritt festigt der Inselrat von Gran Canaria seine Strategie, die Energiewende durch direkte Vereinbarungen mit den Gemeinden zu territorialisieren. „Es geht nicht nur darum, Solarmodule zu installieren, sondern die Spielregeln zu ändern: die Produktion zu teilen, den Zugang zu erleichtern, die Bürgerbeteiligung zu fördern und die Energieabhängigkeit von ausländischen Quellen zu verringern“, erklärt der Inselenergierat.
Die Vereinbarung stellt einen Meilenstein auf dem Weg zu einem dezentralisierten, nachhaltigen und sozial gerechten Modell dar, das in Gemeinden wie Agüimes, Gáldar und San Bartolomé de Tirajana bereits Gestalt annimmt und nun in Santa Lucía und Ingenio zwei neue strategische Knotenpunkte für die Weiterentwicklung hin zu einem zu 100 % erneuerbaren und dezentralen Gran Canaria findet.


