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Jahr 1595: Südliches Gran Canaria und der letzte Kampf von Sir John Hawkins

Jahr 1595: Südliches Gran Canaria und der letzte Kampf von Sir John Hawkins

GH Maspalomas24h Donnerstag, 10. Juli 2025

Der Wind wehte aus Südwesten und brachte Salz und Schießpulver mit sich. An der Küste herrschte eine seltsame Stille. Es war nicht die Stille der Angst. Es war eine andere Art von Stille. Die Art, die man hört, wenn Männer sich zum Widerstand entschließen.

 

Im Hafen von Arguineguín fuhren die Fischer an diesem Tag nicht hinaus. Sie wussten, dass etwas im Gange war. Sie wussten es schon seit Tagen. Im Süden, Richtung Horizont, wurden die Kriegssegel gehisst. Hohe Segel, schwarze Segel. Es waren die Engländer. Und es waren viele.

 

Im Herbst 1595 näherte sich die englische Flotte unter der Führung von Sir John Hawkins und seinem Cousin Francis Drake der Südküste Gran Canarias. Ihr Ziel war einfach, aber ehrgeizig: Nachschub zu liefern und spanische Besitzungen in Amerika anzugreifen. Hawkins, ein erfahrener Marineoffizier und Flottenverwalter, war krank, aber entschlossen.

 

Die Südküste – Orte wie Arguineguín, Pasito Blanco und Santa Águeda – schienen friedliche Häfen für die Versorgung mit Vorräten zu sein. Doch die lokalen Milizen, bestehend aus Bauern, Fischern und Handwerkern, hatten andere Pläne. Sie organisierten sich schnell und nutzten das zerklüftete Gelände, um ihr Land erbittert zu verteidigen.

 

Hawkins widersetzte sich dem Angriff und warnte vor dem Verlust des Überraschungsmoments und dem damit verbundenen Risiko. Drake blieb jedoch hartnäckig. Die Engländer versuchten zu landen, um Wasser und Vorräte zu beschaffen, stießen jedoch auf heftigen Widerstand. Es kam zu Scharmützeln mit Opfern und Verletzten.

 

Innerhalb weniger Tage musste sich die englische Flotte zurückziehen, ohne ihre Ziele erreicht zu haben. Hawkins, geschwächt durch Krankheit und Misserfolge, starb Wochen später vor der venezolanischen Küste. Sein Tod markierte das Ende einer Ära und ist ein Beweis für die Widerstandsfähigkeit Gran Canarias und die Grenzen der damaligen englischen Seemacht.

 

Heute ist Hawkins in England als Marinepionier und umstrittene Persönlichkeit bekannt, doch seine Niederlage vor Gran Canaria bleibt eine wenig bekannte Episode, die die elisabethanische Seefahrtsgeschichte prägte.

 

Drake segelte mit nicht weniger als 28 Schiffen und 4.000 Mann südlich von Gran Canaria. Ihn begleitete John Hawkins, der älter, weiser und müder war. Sie wollten die Insel einnehmen, die Stadt niederbrennen, die Schiffe füllen und weiter in die Karibik fahren. Sie dachten, es wäre einfach. Aber das war es nicht.

 

Die Männer des Südens waren keine Soldaten. Sie waren Müller, Hirten, Gerber, Bootsführer. Doch ihre Augen blickten aufs Meer und ihre Hände wussten zu schießen. Von Santa Águeda – wo heute eine andere Form der Zementpiraterie herrscht – bis Maspalomas waren die Straßen gesperrt. Steine ​​waren aufgetürmt. Frauen nähten Schießpulver in Säcke. Stille herrschte. Und in der Stille wuchs Entschlossenheit.

 

Drake umrundete die Insel. Er überlegte, von Norden her einzudringen. Er überlegte es sich anders. Dann versuchte er, durch Arguineguín einzudringen. Dann durch Meloneras. Er konnte nicht. Die Küstenbatterien dröhnten. Das Wasser war seicht. Die Wellen schlugen auf sie ein. Sie verloren Männer. Sie verloren Zeit. Sie verloren das wertvollste Element: die Überraschung.

 

Von den Höhen Ayagaures aus zündeten die Wachen ein Feuer an. Die Heizer von Fataga sahen den Rauch und reagierten. In Tunte kursierten bereits Gespräche über eine Verteidigung. In weniger als zwei Tagen war die ganze Insel wieder auf den Beinen. Niemand schlief. Niemand floh.

 

Die kanarischen Milizen waren da. Leute aus Mogán, aus Tunte, aus Fataga. Sie hatten keine Kanonen. Sie hatten keine Schiffe. Aber sie hatten Schrotflinten, Messer und Zeit. Sie hatten Wut.

 

Einer der englischen Kapitäne kehrte verwundet zurück. Ein anderer nicht. Hawkins sagte, es reichte. Er sagte, es dürfe keinen Kampf um Wasser geben. Er sagte, wir sollten weitermachen.

 

Drake hörte nicht auf ihn.

 

Hawkins kehrte in seine Kabine zurück. Er hatte Fieber. Seine Hände zitterten. Er schrieb etwas. Vielleicht einen Bericht. Vielleicht einen Brief. Niemand sah ihn.

 

Das Schiff legte ab. Die Südküste blieb zurück. Die Dünen, die Klippen, die grauen Berge. Niemand sang. Niemand feuerte einen Schuss in die Luft ab. Sie fuhren einfach davon.

 

Eine Woche später starb Hawkins.

Er starb weit weg. Vor der Küste Amerikas. Er starb ohne Insel, ohne Sieg. Sie hüllten ihn in Segeltuch. Sie banden ihm zwei Kanonenkugeln an die Füße. Und sie warfen ihn ins Meer. Der Süden Gran Canarias war nicht sein Grab. Aber es war sein Ende.

 

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