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Das verlorene Heiligtum von Amurga: Die alten Geheimnisse des südlichen Gran Canaria entdecken

Das verlorene Heiligtum von Amurga: Die alten Geheimnisse des südlichen Gran Canaria entdecken

YV Maspalomas24h Samstag, 05. Juli 2025

Im bergigen Herzen Gran Canarias, wo Schluchten sich ihren Weg durch steile Klippen bahnen, birgt die Geschichte der alten Kanaren Rätsel, die bis heute nachhallen. Jahrhundertelang vermischten sich die Echos ihrer Rituale und heiligen Stätten mit dem Wind, der durch die Gipfel peitscht. Doch eine jüngste Entdeckung, das Ergebnis der Hartnäckigkeit von Historikern und Archäologen, verspricht Licht auf eines der faszinierendsten Kapitel ihrer Spiritualität zu werfen: die Wiederentdeckung von Umiaga, einem alten Ortsnamen, der nicht nur einen Punkt auf der Landkarte, sondern ein heiliges Gebiet im Amurga-Massiv bezeichnet. Der Forscher Pablo Guedes González* aus Tirajana hat diesen gesamten Prozess im Süden am besten erforscht.

González Guedes erinnert sich, dass es im Jahr 2019 war, als der Historiker Jesús Álvarez Pérez alte Dokumente aus dem Pfarrarchiv von Tunte digitalisierte, als ihm ein Wort in den Sinn kam: Umiaga. Bis zu sieben Hinweise auf diesen Ortsnamen mit seinen Varianten tauchten auf, die mit alten „Apañadas“ (Viehtrieben) und den steilen „Riscos“ (Klippen) in Verbindung standen. Unter der Leitung des Archäologen Marco Antonio Moreno Benítez verknüpften die Nachforschungen diese Dokumente bald mit dem beeindruckenden nördlichen Gebiet von Amurga, auf den Klippen, die sich von Los Sitios de Abajo bis El Ingenio erstrecken, gleich hinter Risco del Drago, dem höchsten Punkt der Gegend (1131 m), wo die Festung und der Almogarén von Amurga stehen, die der Archäologischen Kommission des Museo Canario bereits bekannt waren.

Doch Umiaga ist nach der Interpretation von Álvarez und Moreno mehr als eine physische Enklave. Es ist ein „geweihtes Territorium“, ein durch seine Topografie definierter Raum, der mit religiösen Stätten übersät ist: kleinen Schalen, Türmchen und Felszeichnungen. Eine Landschaft, in der jeder Stein, jeder Winkel und jede Ecke Teil eines riesigen Freiluftheiligtums war, das sich möglicherweise mehrere Kilometer nach Süden erstreckte und Orte wie El Gallego, El Galgar und Mojón de Afón erreichte. Sogar die rätselhaften Türmchen von El Coronadero, die möglicherweise ein altes Asylrecht abgrenzten, könnten Teil dieses riesigen heiligen Netzwerks sein – eine Hypothese, die mit früheren Forschungen in Einklang steht und für den Historiker Pablo Guedes González (Autor der von uns analysierten Forschung) die Umrisse des Tirajana-Heiligtums zeichnet, nach dem die Archäologie sucht.

Die Chroniken der Eroberung, obwohl von Außenstehenden mit eurozentrischer und oft katholisch-fundamentalistischer Perspektive verfasst, stimmen in einem entscheidenden Punkt überein: Die alten Kanarier verehrten zwei heilige Berge, zu denen Scharen von Pilgern pilgerten. Namen wie Tirma und Tirajana (oder Umiaga/Jumiaia) tauchen immer wieder auf. Doch wo befanden sich diese Berge wirklich? Alonso de Palencia, Chronist der Katholischen Könige, beschreibt 1491 einen Überfall auf Tirajana, ein „kleines Bergdorf“. Sein Bericht über die „Schlacht von Tirajana“ erwähnt einen „burgähnlichen“ Tempel auf dem Gipfel eines „Berges“, der zu Pferd erreichbar war – ein wichtiges Detail, um Orte wie die Festung Santa Lucía oder Ansite auszuschließen, die für Reiter unzugänglich sind.

Andere Quellen, wie Abraham Cresques' Portolankarte von 1375 mit den beiden markanten Bergen im Süden und Südwesten der Insel, legen nahe, dass mallorquinische Missionare und Seefahrer die Bedeutung dieser geografischen Punkte bereits kannten. Diese Karte, die zahlreiche Informationen über nautische Gefahren enthält, könnte auch die Lage dieser für die Kanarier so wichtigen spirituellen Zentren verzeichnet haben.

Im Laufe der Zeit kamen neue Stimmen zu Wort. Anfang des 16. Jahrhunderts verortete Fray Juan de Abreu Galindo Umiaga in Risco Blanco und beschrieb Rituale mit Milch- und Butteropfern, Tänzen und Liedern um „Felsbrocken“. Später, Ende des 17. Jahrhunderts, lieferte uns der Arzt Tomás Arias Marín de Cubas aus Telde, der Zugang zu verlorenen Manuskripten und der mündlichen Überlieferung indigener Nachkommen hatte, die detaillierteste Beschreibung: einen „Almogaren de Jumiaga“ auf einer „hohen Klippe“ mit „drei Kohlenbecken“ zum Verbrennen von Opfergaben, einem Altar aus großen Steinen und einer „kapellenartigen Struktur“ innerhalb eines großen Geländes.

Interessanterweise erwähnt Marín de Cubas in dieser Kapelle „Sacarrones“ oder „Zancarrones“, ein Begriff, der sich, semantisch betrachtet, auf Mumien oder menschliche Überreste beziehen könnte, die auf Pilgerreisen verehrt wurden. Dies passt zum kanarischen Brauch, die Heiligen zu schützen, und bestärkt die Vorstellung, dass diese Orte Zentren der Anbetung und Erinnerung waren. Die Chroniken sprechen auch von „umzäunten Mauern“, die eine Zone der Immunität oder des Asyls für Menschen und Vieh abgrenzten. Ein heiliges Recht, das diejenigen schützte, die in diese Berge kamen.

Die Arbeit von Pablo Guedes González, die auf dem kanarisch-amerikanischen Geschichtskolloquium vorgestellt wurde, wirft nicht nur Licht auf den möglichen Standort von Umiaga, sondern lädt auch zu einer tiefgreifenden Neuinterpretation ethnohistorischer Quellen ein. Sie erinnert uns daran, dass die Geschichte der alten Kanaren ein komplexes Mosaik ist, in dem jedes neue Fragment – ​​sei es ein vergessener Ortsname in einem Pfarrarchiv oder eine sprachliche Neuinterpretation – uns dem Verständnis einer Welt von Glaubensvorstellungen und Ritualen näherbringt, die in den Gipfeln Amurgas noch immer auf ihre vollständige Entdeckung warten.

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