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Pinar de Santiago: Als der Apostel die Bacchanalien im Süden Gran Canarias entdeckte

Pinar de Santiago: Als der Apostel die Bacchanalien im Süden Gran Canarias entdeckte

YV Maspalomas24h Samstag, 28. Juni 2025

Es gibt Orte im Süden Gran Canarias, wo sich Geschichte, diese kapriziöse Dame, mit dem Gemurmel der Legenden und Frömmigkeit mit heidnischster Ausgelassenheit vermischt. Eine solche Enklave ist Pinar de Santiago, heute eine Oase inmitten junger Pinien und klarer Luft. Doch hinter dieser scheinbaren Ruhe verbirgt sich eine Chronik pikareskischen Ausmaßes, eine Geschichte, in der Glaube und Ausschweifung so enthusiastisch Hand in Hand gingen, dass sie selbst den Apostel Jakobus in die Flucht schlugen. Hier, meine Herren, in dieser Ecke von San Bartolomé de Tirajana, waren die Bacchanalien kein Gerücht, sondern ein Urteil.

Die Fabel, jene Lebensader, die das Volksgedächtnis nährt, erzählt von galizischen Seeleuten. Gefangen in einem schauderhaften Sturm, vertrauten sie sich dem Apostel an und versprachen ihm einen Schrein, wenn er ihnen die Haut rettete. Und Rettung, so heißt es, kam mit dem Anblick der Cumbres de Tirajana und der Landung in Arguineguín. Mit dem Bild im Schlepptau stiegen sie zum Morro oder Lomito de Santiago auf, wo sie aus Hingabe einen Schrein aus Stein und Lehm errichteten. Dieses Bild, Santiago „el Chico“, heute Tuntes Begleiter, kehrt jedes Jahr im Juli auf Pilgerfahrt zurück und erinnert an seinen früheren Standort. Doch die Ironie ist, wie guter Gin, alt: Diese Pilgerfahrt ist das Echo eines Exils, das ihre eigenen Anhänger herbeigeführt haben.

Die Einsiedelei, die bis Mitte des 1850. Jahrhunderts mehrere Umbauten überstand, war zwar ein Treffpunkt, aber mit übermäßiger Freude. Der Höhepunkt des Skandals erreichte XNUMX. Bischof Codina, ein Mann der Ordnung und des frommen Geistes, hörte Gerüchte aus den Bergen: Das Heiligtum sei zu einem Epizentrum heidnischer Bacchanalien geworden. Stellen Sie sich die Szene vor: Menschen „auf dem Rücken von Tieren“ im heiligen Bezirk, Wein in Strömen, ungezügelte Ausgelassenheit. Was sich dort zusammenbraute, war keine Hingabe, sondern eine Explosion des Lebens selbst, unberührt von jeglicher Liturgie.

Dort, in Las Palmas, das dem Süden Gran Canarias gegenüber stets so restriktiv war, konnte es nicht scheitern. Die kirchliche Hierarchie konnte natürlich nicht wegsehen. Das Chaos war so groß, dass der Bischof keine andere Wahl hatte, als den Pfarrer anzuweisen, das Bild sofort in die Kirche San Bartolomé zu bringen. Der Apostel musste auf Befehl von Bischof Codina den Hügel, auf dem er verehrt worden war, verlassen, um dem Trubel, der Sünde und vielleicht auch den Rum- und Honigdünsten zu entgehen.

Doch hinter dem Schleier der Moralisierung verbirgt sich stets eine banalere, prosaischere Wahrheit. Historiker, die kein Blatt vor den Mund nehmen, spüren sie: wirtschaftliche Kontrolle. Die Spenden an den Apostel waren beträchtlich, die Kassen der Einsiedelei „großzügig“. Doch eine Einsiedelei auf dem Berggipfel, isoliert, war ein Fass ohne Boden für unkontrollierte Ausgaben. Die Kontrolle der Gelder war „ziemlich schwierig“, und Plünderungen kamen „sehr häufig“ vor. Die Übergabe des Bildes diente nicht nur der Seelenreinigung, sondern auch der Sicherung der Münzen. Der Apostel, als guter Schutzpatron, erwirtschaftete auch Gewinne, und diese waren in den Händen des Klerus stets sicherer vor den Feiernden und den Profiteuren.

Trotz der Tänze und Exzesse verankert uns die dokumentierte Geschichte in einer faszinierenden Realität. Die Einsiedelei mit ihrer bescheidenen Bauweise existierte bereits vor 1589. María de Morales, eine Einwohnerin von Telde, erwähnte sie in ihrem Testament vom April 1589: Ihr Vater, Diego de Morales, „erbaute die Kirche des Herrn Santiago“. Und der Ort hatte schon vor der Einsiedelei einen Namen. Seit dem 1542. Jahrhundert war er als „Valle de Santiago“ bekannt. Diego de Morales bezeichnet ihn in Landanträgen aus den Jahren 1543 und 1783 als „Tal, Sitz von Santiago“. Ach, diese Nuancen der Worte. „Sede“, so erinnert uns die RAE (Königlich-Spanische Akademie Spaniens) XNUMX, ist nicht nur ein Sitz, sondern auch „die Würde eines Bischofs … des obersten Pontifex … eines römisch-katholischen Apostolischen“. Das bedeutet ein hohes Maß an religiöser Spiritualität. Der Ort hatte daher einen heiligen Stempel, eine implizite Autorität, die auch die anschließende Feier, so laut sie auch war, nicht auslöschen konnte.

Der Name „Kiefernwald“ für einen Ort, der heute nur noch wenige junge Exemplare aufweist, zeugt von einer Geschichte brutaler Abholzung. Von hier und aus Ayagaures wurde im späten 16. und frühen 17. Jahrhundert das beste Brennholz gewonnen, wertvolles Holz für Kirchen und Klöster auf ganz Gran Canaria. Heute ist die Kapelle kaum mehr als eine Handvoll Steine ​​und Zement. Doch der Pinar de Santiago ist heute ein Erholungsgebiet, in dem junge Kiefern ihren Platz zurückerobern. Ein Besuch lohnt sich nicht wegen der architektonischen Überreste, sondern wegen der vielen Geschichten, die aus jeder Ecke raunen: das Versprechen des Seemanns, das Echo der Gesänge und vor allem der ungehemmte Trubel jener Bacchanalien, die den Apostel von Santiago eine Zeit lang zum Schutzpatron eines unvergesslichen Festes auf den Gipfeln Gran Canarias machten. Ein Ort, an dem sich Göttliches und Menschliches unverhohlen vermischten.

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