Dienstag, 14. April 2026
Maspalomas24h
Die Spannungen im Tourismus auf Teneriffa nehmen zu, und der Süden Gran Canarias trägt die Hauptlast.

Die Spannungen im Tourismus auf Teneriffa nehmen zu, und der Süden Gran Canarias trägt die Hauptlast.

YV Maspalomas24h Montag, 12. Mai 2025

Auf den Kanarischen Inseln herrscht in den sozialen Medien und auf digitalen Messaging-Plattformen Aufruhr, weil Teneriffa den Tourismus von der Insel vertreiben will und eine Kampagne gestartet hat, die den gesamten Archipel betrifft. Während der Karwoche 2025 kam es beispielsweise im Süden Gran Canarias zu keinem Streik der Arbeiter, auf Teneriffa jedoch schon, weil die Arbeiter sich nicht auf die Reihe kriegen. Und nun gibt es im Zusammenhang mit diesen Vorfällen am Arbeitsplatz eine Tourismusphobie-Agenda, die Populisten und Beamte in Las Palmas auf Maspalomas und Mogán ausweiten wollen. Zu den Organisatoren zählt auch Greenpeace, das in den USA wegen einer Giftklage gegen einen Energiekonzern umgerechnet 620 Millionen Euro zahlen muss, einen Betrag, der auch die Muttergesellschaft Greenpeace International betrifft.

Das türkische Tourismusministerium bestätigte vor kurzem einen Anstieg der Besucherzahlen, der mit einem Rückgang der Buchungen für die Kanarischen Inseln einhergeht. Dies deutet auf eine Verhaltensänderung unter europäischen Touristen hin, die sensibler denn je auf die Wahrnehmung von Konflikten am Reiseziel reagieren. Die Kanarischen Inseln stehen an einem Wendepunkt. Die Zahl der Ankünfte ist nach wie vor hoch, doch die Stimmung ist nicht mehr von Feierstimmung geprägt. Wachsende soziale Spannungen, Bedrohungen der ökologischen Nachhaltigkeit und die Vertreibung von Bewohnern aufgrund von Tourismusspekulationen haben den Archipel in den Mittelpunkt der Debatte über die Zukunft des Tourismus gerückt.

Auf Teneriffa haben Reiseveranstalter begonnen, ihre Präsenz auf diesem Reiseziel zu reduzieren. Allerdings besteht die Gefahr, dass sich dadurch auf Gran Canaria eine Tourismusfeindlichkeit ausbreitet. Was einst Rekordzahlen und wirtschaftliche Euphorie waren, wird nun durch wachsende Proteste, symbolischen Vandalismus und einen sichtbaren Rückgang der Hotelbuchungen getrübt. Alles deutet darauf hin, dass die Botschaften der Einwohner Teneriffas, die die Auswirkungen des Massentourismus satt haben, bei potenziellen Besuchern Anklang finden.

Teneriffa, das meistbesuchte Juwel des Archipels, hat zwar keine Strände, zog im vergangenen Jahr jedoch mehr als sechs Millionen ausländische Touristen an. Allerdings hat sich das gesellschaftliche Klima verändert. Die Proteste gegen die Touristik sind nicht länger anekdotischer Natur: Sie fordern eine dringende Regulierung der Ferienvermietung, werfen dem Sektor vor, die Immobilienpreise in die Höhe zu treiben und prangern die Zerstörung geschützter Naturgebiete an.

Weit entfernt von institutionellen Slogans sind Graffiti wie „Töte einen Touristen“ und Bilder brennender Mietwagen aufgetaucht, die ihren Weg um die Welt fanden. Die Folgen ließen nicht lange auf sich warten: Große britische und deutsche Reiseveranstalter berichten bereits von einem Rückgang der Buchungen für Teneriffa in diesem Sommer.
Der Druck der Bürger hat sich auch auf internationale Institutionen und Medien ausgeweitet. Aktivisten fordern die Rückgabe öffentlicher Räume und dass das Wohl der ansässigen Bevölkerung Vorrang vor Spekulationsinteressen erhält. „Sie haben uns unser Recht gestohlen, auf unserem Land zu leben“, schreien Gruppen wie Canarias se agota (Die Kanarischen Inseln sind erschöpft) und La Palma Reverdece (Begrünung).

Zu dieser Spannung kommt noch die Wohnungskrise hinzu. Der Aufstieg von Plattformen wie Airbnb hat zu einer dramatischen Transformation des Immobilienmarktes geführt. In vielen Vierteln werden über 40 Prozent der Wohnungen an Touristen vermietet, was zur Vertreibung einheimischer Familien und zu unhaltbaren Preissteigerungen geführt hat. Während die Kanarischen Inseln mit ihrem eigenen Sturm zu kämpfen haben, beginnen andere Reiseziele, aus der Situation Kapital zu schlagen. Die Türkei, die bis vor kurzem noch im Schatten Spaniens und Griechenlands stand, verzeichnet derzeit einen starken Anstieg an Neubuchungen, insbesondere von britischen, russischen und deutschen Kunden. Mit günstigeren Urlaubszielen, einer schwächeren Lira und einer weniger feindseligen Rhetorik entwickelt sich das eurasische Land zu einer klaren Alternative. In der Zwischenzeit müssen die lokalen Regierungen entscheiden, ob sie quantitativem Wachstum um jeden Preis den Vorzug geben oder sich für ein gerechteres, stärker reguliertes und nachhaltigeres Modell entscheiden. Die Botschaft ist klar: Unkontrollierter Tourismus kann die Gans töten, die die goldenen Eier legt.

 

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