Institutioneller Humanismus? Mehr als 3.994 Sonnenliegen, 1.997 Sonnenschirme, 45 balinesische Hängematten, 9 Bar-Kioske, 8 Terrassen und 2 Ticket-Kioske. So präsentiert sich das neue Modell zur Nutzung der Küste von San Bartolomé de Tirajana: ein massiver Eingriff – getarnt als grüne Modernisierung –, der die öffentliche Nutzung der größten Naturattraktion im Süden Gran Canarias neu definiert.
Mit einer geplanten Investition von 8,5 Millionen Euro und einer geschätzten jährlichen Rendite von 2,1 Millionen Euro präsentiert der von der Gemeindeverwaltung unter Führung der Coalición Canaria entworfene Plan die Vision eines Strandes, der „zugänglicher, nachhaltiger und innovativer“ ist. Doch hinter dieser technokratischen und freundlichen Rhetorik verbirgt sich eine Konsolidierung der erneuerten Küstenlinie, wie sie Reiseveranstalter und Investoren schon seit Jahren fordern.
„Menschenfreundlichere Strände, ökologisches Engagement und familienfreundlichere Bereiche“ – so lautet der Slogan, der dieses neue Modell begleitet. Ein Modell, das beispielsweise vorsieht, den Beachvolleyballbereich in Playa del Inglés komplett zu erneuern und ihn von den Sonnenliegen zu trennen, um „Komfort und Sicherheit“ zu gewährleisten. Oder die in den meisten Enklaven der Gemeinde bis zu 50 m² Terrasse pro Kiosk genehmigt.
„Wir haben einen Plan zur Modernisierung der Dienstleistungen entworfen, der die Bürger in den Mittelpunkt stellt“, erklärte Yilenia Vega (CC), die Stadträtin für das Gebiet. Doch dieser „Bürger im Mittelpunkt“ ist vielmehr der kauffreudige Tourist, der Empfänger der neuen balinesischen Hängematten, Designer-Pergolen und kontaktlosen digitalen Zahlungssysteme. Es ist eine Geschichte, in der Zugänglichkeit ein abstraktes Konzept ist und Nachhaltigkeit in elegant genutzten Quadratmetern gemessen wird.
Der Plan erhielt grünes Licht von der Regierung der Kanarischen Inseln, die die Belegung des öffentlichen maritimen und terrestrischen Gebiets bis 2028 genehmigte und dabei bestimmte Umweltbeschränkungen auferlegte: So darf die Belegung an natürlichen Stränden maximal 10 % und in städtischen Gebieten bis zu 50 % betragen, und es gilt die Verpflichtung, das Naturschutzgebiet der Dünen von Maspalomas nicht zu beeinträchtigen. Notwendige Maßnahmen, ja, aber sie verbergen nicht den allgemeinen Trend: mehr Dienstleistungen, mehr Kontrolle, mehr Rentabilität.
Als Zeichen des Naturschutzes wird ein 2.500 Meter langer Landstreifen von Einrichtungen freigehalten. Außerdem wird ein System zur Kapazitätsmessung eingeführt und ein interadministrativer Exekutivausschuss zur Koordinierung der Reinigungs- und Umweltüberwachung eingerichtet. Der eigentliche Schlüssel liegt jedoch in der Art und Weise, wie dieses Ökosystem verwaltet wird: eine einzige Konzession für alle Dienste, die zwar die traditionelle Segmentierung beendet, das Geschäft jedoch zentralisiert und die lokale Betriebsvielfalt beseitigt.
In Gegenden wie Las Burras und San Agustín werden Spielplätze und neue Familiendienste hinzugefügt, um das Benutzerprofil zu diversifizieren. Doch selbst diese zunächst gut gemeinten Maßnahmen scheinen eher auf eine Verbesserung des Tourismusprodukts als auf eine Stärkung der Bevölkerung ausgerichtet zu sein.
„Mit diesem Plan haben wir ein echtes Gleichgewicht zwischen Erhaltung und Entwicklung erreicht. Die Strände bleiben öffentlich, natürlich und funktional, bieten aber erstklassige Dienstleistungen“, sagt Alejandro Marichal, erster stellvertretender Bürgermeister und treibende Kraft des Projekts. Für viele Anwohner stellt sich jedoch die Frage: Wem gehören die Strände dann wirklich, wenn sie komplett umgestaltet sind?
Denn wenn ein Strand ein Managementsystem, Kapazitätssensoren, ständige Überwachung und ein millimetergenaues Kiosknetz benötigt, verändert sich möglicherweise nicht nur das Erlebnis, sondern auch der öffentliche Charakter des Ortes. Das Projekt ist bereits im Gange. Ob aus dem Wort „menschlicher“ mehr als nur ein Wahlkampfslogan wird, bleibt abzuwarten.











