Die Hotellobbys in Maspalomas haben sich von ihrer üblichen Freizeitatmosphäre in provisorische Nachrichtenzentren verwandelt. Ausländische Touristen, das Rückgrat der Wirtschaft Gran Canarias, verfolgen gespannt die Bildschirme mit den Live-Updates zur Krise der MV Hondius. Die Ungewissheit um die Ankunft des Kreuzfahrtschiffs, das von einem Hantavirus-Ausbruch betroffen ist, der bereits drei Todesopfer gefordert hat, beherrscht die Gespräche in den Gemeinschaftsbereichen der wichtigsten Touristenorte im Süden Gran Canarias.
Die Gesundheitsdiplomatie zwischen Madrid und Genf bestimmt das Tempo der Ereignisse im Atlantik. Das spanische Gesundheitsministerium hat die technische Zuständigkeit an die Weltgesundheitsorganisation (WHO) delegiert und eine zentrale Kommandostruktur für die Entscheidung über das Schicksal des Schiffes akzeptiert. Anselmo Pestana, der Regierungsbeauftragte auf den Kanarischen Inseln, koordiniert die Notfallmaßnahmen mit der Regierung von Fernando Clavijo. Dabei werden die Häfen von Santa Cruz de Tenerife und Las Palmas de Gran Canaria unter strengen Biosicherheitsvorkehrungen als mögliche Aufnahmestationen in Betracht gezogen.
Die von Maria Van Kerkhove geleitete epidemiologische Untersuchung bietet den lokalen Behörden statistische Entlastung. Experten vermuten, dass die Infektion außerhalb des Schiffes, wahrscheinlich während Ausflügen in der argentinischen Patagonien, stattfand, da die Inkubationszeit bis zu sechs Wochen betragen kann. Diese Theorie legt nahe, dass das Schiff keine eigenständige Infektionsquelle darstellt, sondern vielmehr als Sammelbecken für Fälle dient, die ihren Ursprung anderswo haben. Die Tatsache, dass alle 38 philippinischen Besatzungsmitglieder negativ getestet wurden, bestärkt die Annahme, dass der Ausbruch eingedämmt und unter Kontrolle ist.
Die Operation auf den Kanarischen Inseln wird diesen Dienstag in einem hochrangigen Treffen zwischen Vertretern des öffentlichen Gesundheitswesens, der internationalen Gesundheitsbehörden und Ministerien finalisiert. Der Strategieplan sieht Sperrzonen an den Docks vor und verbietet Unbefugten den Zutritt. Der Archipel bereitet sich darauf vor, als humanitäre Logistikplattform zu fungieren und die Rückführung europäischer Passagiere in ihre Herkunftsländer zu priorisieren. Dabei sollen die Flugverbindungen der Inseln genutzt werden, vorausgesetzt, Berichte aus Kap Verde garantieren, dass kein Risiko für die dortige Bevölkerung besteht.











