Die Gerichte haben den Bestrebungen von Primero Canarias (Prica) im Süden Gran Canarias einen schweren Schlag versetzt. Beatriz Rallo, Richterin am Gericht erster Instanz Nr. 4 von Las Palmas de Gran Canaria, wies die von Samuel Henríquez, einem Gemeinderatsmitglied aus San Bartolomé de Tirajana, und dem Ländlichen Nationalistischen Block (BNR) beantragten einstweiligen Maßnahmen zurück. Die Kläger wollten die Vereinbarung zwischen Nueva Canarias und der Frente Amplio aussetzen lassen, die sie als „Verräter“ brandmarkte – eine Einstufung, die den Verlust wirtschaftlicher und politischer Privilegien in der südlichen Gemeinde zur Folge hätte.
Der Kern des Konflikts liegt in der Auslegung von Henríquez’ Austritt aus der von Román Rodríguez geführten Partei. Während der Stadtrat beteuert, die Partei zwar verlassen zu haben, aber über die BNR weiterhin Teil der ursprünglichen Wahlkoalition gewesen zu sein, beharrt der Richter auf der Anwendung des Anti-Übertrittspakts. Laut Urteil gilt jeder, der die Partei, die ihn für die Wahlliste nominiert hat, ohne deren Zustimmung verlässt, als Überläufer, selbst wenn er einer anderen Partei innerhalb derselben Koalition beitritt. Für den Richter stellt dieses Vorgehen nach erster Prüfung eine Umgehung des Gesetzes und einen Verstoß gegen die Vereinbarungen zur politischen Stabilität dar.
Die unmittelbare administrative Konsequenz in San Bartolomé de Tirajana ist die Herabstufung von Samuel Henríquez zum „parteilosen“ Gemeinderatsmitglied. Dieser Status, der sowohl im Kommunalgesetz als auch in der Satzung des Gemeinderats von Tirajana festgelegt ist, schränkt die wirtschaftlichen und repräsentativen Rechte des Gemeinderatsmitglieds drastisch ein. Obwohl das Gericht die Dringlichkeit aufgrund der bereits an die lokalen Behörden gerichteten Benachrichtigung anerkennt, lehnt es die einstweilige Maßnahme ab, da es in der Position der Kläger keinen „hinreichenden Grund“ sehe, zumal diese auch die Satzung der Partei, die sie verlassen haben, nicht vorgelegt hätten.
Dieses Gerichtsurteil beeinflusst nicht nur das Machtverhältnis im Süden, sondern wirft auch einen Schatten auf ähnliche Situationen in anderen Gemeinden der Insel, wie etwa Santa Lucía de Tirajana, wo Bürgermeister Francisco García in einen ähnlichen Machtkampf verwickelt ist. Das Urteil verpflichtet Henríquez und die BNR vorläufig zur Übernahme der Gerichtskosten; es ist jedoch noch nicht rechtskräftig und kann beim Provinzgericht angefochten werden. Das Urteil bestärkt Nueva Canarias in ihrer Forderung, dass der Wechsel ihrer gewählten Vertreter zu Primero Canarias mit dem Entzug der für kommunale Gruppen bereitgestellten Mittel bestraft werden sollte.











