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Das Dilemma der 400 Millionen Euro in Gran Canaria für ACS und Vinci: Ist es rentabel, Chira-Soria nach Brüssel zurückzuholen?

Das Dilemma der 400 Millionen Euro in Gran Canaria für ACS und Vinci: Ist es rentabel, Chira-Soria nach Brüssel zurückzuholen?

Yurena Vega - M24h Montag, 30. März 2026

Was würde geschehen, wenn das Projekt von ACS und Grupo Vinci im Süden von Gran Canaria aufgegeben würde? Einige Experten weisen darauf hin, dass es sich angesichts der Batterietechnologie bereits um ein gigantisches Projekt handelt, das keinen Sinn mehr ergibt.
Die Folgen des Sturms Therese haben in der Arguineguín-Schlucht mehr als nur Schlamm und gesperrte Straßen hinterlassen: Sie haben den Konsens über das größte Bauprojekt in der Geschichte Gran Canarias erschüttert. Erstmals geht es in den Rathäusern von Mogán und San Bartolomé de Tirajana nicht mehr um Baufristen, sondern um eine Möglichkeit, die bis vor Kurzem noch tabu war: den Baustopp des Chira-Staudamms und die Rückgabe der Finanzierung an die Europäische Union.

Die im Süden der Insel zunehmend an Bedeutung gewinnende Argumentation ist pragmatischer und defensiver Natur. Die Gemeinderäte argumentieren, dass das Projekt von Grund auf sozial mangelhaft konzipiert sei, wenn die bestehende Infrastruktur – verändert durch die Bauarbeiten von Red Eléctrica – die Mindestsicherheit von Ortschaften wie El Caidero oder Huesa Bermeja während Starkregenperioden nicht gewährleisten könne. Die Frage, die die Bürgermeister dem Inselrat und Red Eléctrica stellen, ist verheerend: Ist ein 200-Megawatt-Wasserspeicher sinnvoll, wenn der Preis dafür die dauerhafte Isolation der Bewohner der Schlucht ist?

Aus finanzieller Sicht wäre dieser Schritt ein einschneidendes Ereignis für die Finanzen der Regionalregierung. Chira-Soria ist als Projekt von gemeinsamem Interesse (PIC) eingestuft und verfügt über eine Struktur aus Zuschüssen und Darlehen, die an die grünen Wiederaufbau- und Transformationsfonds der Europäischen Kommission gekoppelt sind. Die Rückzahlung der Gelder nach Brüssel wäre keine einfache administrative Formalität; sie würde die Zahlung von Verzugszinsen, mögliche Strafen bei Nichterreichen der Dekarbonisierungsziele und einen Reputationsschaden nach sich ziehen, der den Zugang der Kanarischen Inseln zu künftigen Strukturfonds erschweren würde.

Die Techniker der Gemeinde weisen jedoch darauf hin, dass ein Vorgehen trotz unzureichender Entwässerung und veränderter Schluchtenmorphologie langfristig noch kostspieliger sein könnte, insbesondere im Hinblick auf die Haftung für katastrophale Schäden. Die Forderung von Mogán und San Bartolomé nach einer Neudefinition der Prioritäten – mit Vorrang für Infrastruktur und Wasserableitung vor der Installation der Turbinen – bedeutet in der Praxis eine vollständige Überarbeitung des aktuellen Bauplans. Sollten der Inselrat und Red Eléctrica aus Angst vor dem Verpassen europäischer Fristen am ursprünglichen Entwurf festhalten, wird der Konflikt unweigerlich in einen Rechtsstreit münden.

Das von den Gemeinderäten einberufene Dringlichkeitstreffen markiert einen Wendepunkt. Der Inselrat steht vor dem Dilemma, entweder die von Brüssel gesetzten Fristen strikt einzuhalten oder den sozialen Frieden mit den Gemeinden zu wahren, in denen die Infrastruktur liegt. Im Süden Gran Canarias herrscht die Überzeugung vor, dass das Modell der „Energiesouveränität“ nicht auf Kosten der Grundsicherheit derjenigen realisiert werden darf, die im Schatten der Staudämme leben. Die Drohung, die Gelder zurückzuzahlen, ist keine bloße politische Taktik mehr; sie ist der letzte Ausweg für die Gemeinderäte, die das Gefühl haben, der Schlucht könne keinem weiteren Druck mehr standhalten.

 

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