Es handelt sich um eine Audioaufnahme von jemandem, der sich angeblich sowohl in Prica als auch in Nueva Canarias aufhält. Der Bürgerkrieg innerhalb des progressiven Nationalismus wird nicht mehr in Büros, sondern in WhatsApp-Gruppen ausgetragen. Eine durchgesickerte Audioaufnahme von Carmelo Ramírez, einem Schwergewicht in Nueva Canarias (NC) und Nationalsekretär für Internationale Solidarität, ist wie eine Streubombe in den Rathäusern von Santa Lucía de Tirajana und San Bartolomé de Tirajana eingeschlagen und enthüllt eine orchestrierte Strategie zur „Enthauptung“ von Primero Canarias (Prica) in seinen wichtigsten Hochburgen.
In einer kaum 53 Sekunden langen Nachricht, die bereits im gesamten Archipel die Runde macht, nimmt Ramírez kein Blatt vor den Mund. Mit einem Tonfall, der zwischen Euphorie über die gestartete Offensive und persönlicher Verachtung schwankt, bezeichnet der erfahrene Politiker seine ehemaligen Kollegen von Primero Canarias als „Bastarde, um es gelinde auszudrücken“. Die Audioaufnahme ist eine direkte Gratulation an die Gemeindevertretung von Santa Lucía, die dem widerstanden hat, was Ramírez als „Verrat“ bezeichnet. Doch was im Süden Alarm auslöst, ist nicht die Beleidigung, sondern der Fahrplan, den der nationalistische Anführer vorlegt. Ramírez macht deutlich: Politik ist ein Marathon, und die Offensive hat gerade erst begonnen. „Nach Santa Lucía kommen San Bartolomé, Arucas, Moya, Teror … wir haben das für die zweite Welle schon vorbereitet“, warnt er in der Nachricht.
Diese Erklärung bestätigt, dass die NC-Führung eine juristische und politische Maschinerie in Gang gesetzt hat, um die Beamten von Prica mundtot zu machen. Das unmittelbare Ziel ist klar: Die Ratsmitglieder, die Román Rodríguez' Partei verlassen haben, sollen zu Überläufern erklärt werden, was sie in den Gemeinderatssitzungen faktisch politisch handlungsunfähig machen würde.
Die Spannungen sind nicht neu, ihre Intensität jedoch schon. Man sollte nicht vergessen, dass Carmelo Ramírez selbst erst kürzlich das Amt des Sprechers im Inselrat von Gran Canaria übernommen und damit Teodoro Sosa, eine der führenden Figuren der heutigen Partei Primero Canarias, abgelöst hat. Im Süden, wo das Machtgleichgewicht stets prekär ist, wird dieser Schritt als Versuch der NC interpretiert, die Kontrolle über das Goldene Dreieck (Santa Lucía, Agüimes und San Bartolomé) zurückzugewinnen, gerade als der interne Streit die traditionsreiche Partei beinahe ihrer territorialen Vertretung beraubt hätte. Während Primero Canarias eine „besessene Verfolgung“ und den Versuch anprangert, vor Gericht zu gewinnen, was die NC auf der Straße verliert, ist die Atmosphäre in den Rathäusern des Südens äußerst angespannt. Ramírez’ „zweiter Angriff“ könnte die ohnehin schon brüchigen Kommunalverwaltungen weiter destabilisieren.











