Mit dem Schritt des deutschen Tourismusgiganten Dertour Group hin zu den Kanarischen Inseln rückt der Süden von Gran Canaria einmal mehr in den Mittelpunkt der Expansionsstrategien großer europäischer Reiseveranstalter.
Der jüngste Besuch des Vorstandsvorsitzenden Christoph Debus im Schärengarten war keine einfache institutionelle Geste: Es handelte sich um eine Sondierungsreise, um Hotelmöglichkeiten in einem Reiseziel zu ermitteln, das für den deutschen Markt nach wie vor ein wichtiger Bestandteil des Wintertourismus in Europa ist.
Der Manager nutzte seine Anwesenheit auf der Tourismusmesse ITB Berlin, um zu bekräftigen, dass die Kanarischen Inseln ein zentraler Bestandteil der Wachstumsstrategie des Konzerns sind. In dieser Strategie ist die Unterkunft nicht mehr nur ein Zusatzangebot, sondern ein wesentlicher Bestandteil des Kundenerlebnisses.
Daher das Interesse des Unternehmens, die Allianzen mit spanischen Hoteliers zu stärken und die Einführung eigener Marken an Reisezielen zu prüfen, an denen die Nachfrage das ganze Jahr über stabil bleibt.
Dieses Szenario findet im Süden von San Bartolomé de Tirajana ein ideales Umfeld. Orte wie Playa del Inglés, Maspalomas und Meloneras weisen eine der größten Hoteldichten im Mittelatlantik auf und gelten seit jeher als Maßstab für den deutschen Markt – eine Kundschaft, die dem Reiseziel seit Jahrzehnten treu ergeben ist.
Dertours Interesse fällt zudem in eine Zeit des Wandels für den Beherbergungssektor im Süden der Insel. Nach jahrelangen Renovierungen im Zuge städtebaulicher Entwicklungspläne und privater Modernisierungen versuchen zahlreiche Betriebe, sich in höherwertigen Segmenten neu zu positionieren.
In diesem Kontext gelten Allianzen mit europäischen Betreibern, die über eigene Marken verfügen, als Möglichkeit, Marketing und internationale Positionierung zu stärken. Das Hotelportfolio der deutschen Gruppe umfasst derzeit über hundert Häuser unter Marken wie Ananea, Aldiana und Sentido.
Auf den Kanarischen Inseln ist die Präsenz des Unternehmens im Vergleich zu den Balearen noch begrenzt, was das dortige Wachstumspotenzial erklärt. Debus hat bestätigt, dass der Archipel neben den Mittelmeerinseln zu den Prioritätszielen für Neueröffnungen zählt. Geplant sind mehrere Eröffnungen in den kommenden Jahren.
Das Interesse an Gran Canaria ist auch marktbedingt. Die Insel erfreut sich selbst in wirtschaftlich unsicheren Zeiten einer starken Nachfrage deutscher Touristen, und ihr ganzjähriges Reisezielmodell bietet eine Stabilität, die nur wenige andere europäische Destinationen garantieren können.
Für große Betreiber ermöglicht diese Kontinuität die Entwicklung spezialisierterer Hotelprodukte, von Sportresorts bis hin zu Komplexen mit Schwerpunkt auf Wellness oder Aktivtourismus.
Innerhalb des Archipels zählen Fuerteventura, Teneriffa und Gran Canaria selbst zu den bevorzugten Reisezielen der Gruppe, obwohl sich ihre Geschäftsinteressen auf die gesamte touristische Landkarte der Kanarischen Inseln erstrecken. Laut Debus verfügt jede Insel über ein spezifisches Besucherprofil, wodurch sich die Marken der Gruppe an unterschiedliche Marktsegmente anpassen können.
Im Süden Gran Canarias, wo der deutsche Tourismus seit den 1970er Jahren ein Eckpfeiler der wirtschaftlichen Entwicklung war, wird die Rückkehr der großen Reiseveranstalter mit ihren eigenen Hotelprojekten mit großem Interesse verfolgt. Für viele lokale Unternehmer könnte dies eine neue Phase der Zusammenarbeit einläuten, in der die Reiseveranstalter über die reine Zimmervermietung hinausgehen und sich auch als Partner im Hotelmanagement oder bei der Neupositionierung engagieren.
Die Botschaft aus Berlin ist eindeutig: Das Interesse der deutschen Tourismushauptstadt an den Kanarischen Inseln ist ungebrochen. Und innerhalb des Archipels zählt der Süden Gran Canarias weiterhin zu den begehrtesten Reisezielen auf dem europäischen Tourismusmarkt.











