Während die unansehnliche Anlage des Zementwerks von Grupo Masaveu und Votorantim abgerissen wird, bereitet sich die Südküste Gran Canarias auf eine ihrer mit Spannung erwarteten städtebaulichen Umgestaltungen vor: die umfassende Sanierung der Strandpromenade von Santa Águeda. Dieses Projekt zielt nicht nur auf eine ästhetische Aufwertung ab, sondern auch auf eine strukturelle Modernisierung, die Funktionalität und Komfort an diesem strategisch wichtigen Ort innerhalb der Gemeinde, nur wenige Kilometer von Maspalomas entfernt, wiederherstellen soll.
Das Projekt sieht eine ambitionierte Neugestaltung der bestehenden Promenade vor. Zu den wichtigsten Maßnahmen gehört die vollständige Sanierung der Stützmauern, die derzeit erhebliche ästhetische und denkmalpflegerische Mängel aufweisen. Diese Mauern werden mit Basaltplatten und Abdecksteinen verkleidet, wodurch sich das Design harmonisch in die vulkanische Landschaft der Insel einfügt. Darüber hinaus wird die gesamte Promenade neu gepflastert, um barrierefreien Zugang zu gewährleisten und architektonische Hindernisse für Menschen mit eingeschränkter Mobilität zu beseitigen.
Die Modernisierung des Strandes von Santa Águeda ist kein Zufall, sondern das Ergebnis einer umfassenden Studie des Meeresklimas, die die Stabilität des zukünftigen Strandes gewährleisten soll. Ingenieure haben jahrzehntelange Daten der Bojennetze REDCOS und REDEXT sowie des numerischen Modells SIMAR analysiert, um zu verstehen, wie Wellen und Strömungen diesen Küstenabschnitt beeinflussen. Ziel ist die Gestaltung eines stabilen Strandes, der dem Küstengesetz entspricht und Sandverluste verhindert – ein wiederkehrendes Problem in Gebieten, die Südweststürmen ausgesetzt sind.
Um die Zukunft des Strandes von Santa Águeda zu verstehen, ist es notwendig, die technischen Grundlagen des neuen Designs zu betrachten. Der Plan legt größten Wert auf die strukturelle Sicherheit angesichts der atlantischen Stürme. Die Ingenieure stützten das Projekt auf die Berechnung einer bestimmten Wiederkehrperiode, die – technisch gesprochen – die Widerstandsfähigkeit des Bauwerks gegenüber Stürmen definiert, die nur unter außergewöhnlichen Umständen auftreten. Dieser risikobasierte Ansatz stellt sicher, dass die Ufermauer nicht nur ästhetischen Zwecken dient, sondern auch als Schutzwall fungiert, der der Energie nordwestlicher Stürme standhält. Diese können an den Küsten der Kanarischen Inseln bis zu achtmal stärker sein als die üblichen Dünungswellen aus Süden oder Osten.
Die wissenschaftliche Grundlage dieser Sanierung bildet die Analyse historischer Daten des SIMAR-Knotens 4032006 der spanischen Hafenbehörde (Puertos del Estado), einer Datenbank, die das Meeresverhalten seit 1958 erfasst. Mithilfe mathematischer Modelle der jährlichen Maximalwerte wurde die signifikante Wellenhöhe ermittelt, die die Promenade absorbieren können muss. Die Ufermauer von Santa Águeda ist keine starre Barriere, sondern eine Struktur, die mit dem lokalen Meeresklima interagiert, den Sandverlust minimiert und die Stabilität des Strandes auch nach schwersten Stürmen gewährleistet. Damit werden die Anforderungen des Küstengesetzes erfüllt.
Ein entscheidender Faktor bei diesem Modernisierungsprojekt war für die Ingenieure die zukünftige Regulierung des Meeresspiegels. Hierfür nutzten sie die Daten des Pegels von Arinaga. Astronomische Gezeitenstudien zeigen, dass der Wasserstand in diesem Gebiet typischerweise zwischen 0,5 und 3 Metern schwankt. Dieser Tidenhub bestimmte die Höhe der neuen Mauern und die Gestaltung der Strandzugänge, um das Überschwappen der Wellen auf die Promenade zu verhindern. Jede Stufe und Rampe wurde so konstruiert, dass sie dem vorrückenden Meer möglichst wenig Widerstand entgegensetzt und somit strukturelle Schwachstellen vermeidet.
Die Gestaltung der Strandpromenade spiegelt die Symbiose zwischen robuster Ingenieurskunst und Nachhaltigkeit des 21. Jahrhunderts wider. Die Verwendung von Basaltplatten für die Wandverkleidung und die Installation technischer Abdeckungen ermöglichen es, die Energie des Wassers zurück ins Meer zu leiten und so das Gebäudeinnere zu schützen. Ergänzt wird diese technische Umsetzung durch eine Photovoltaik-Beleuchtung mit Starlight-Zertifizierung, die Solartechnologie und den Schutz des Nachthimmels miteinander verbindet. Santa Águeda dient damit als Beispiel dafür, wie präzise ozeanografische Berechnungen die Sanierung eines öffentlichen Raums zur sicheren Nutzung durch seine Bürger unterstützen können.











